7 Wochen Sperrung der Karl-Lehr-Brücke: Zehn Kilometer Umweg für den Radverkehr
Ab dem 18. April wird der Karl-Lehr-Brückenzug für rund sieben Wochen vollständig gesperrt – auch für den Rad- und Fußverkehr. Grund ist der Verschub der neuen Brückenbauwerke in ihre endgültige Position.

Was technisch notwendig ist, hat für den Alltag in Duisburg jedoch massive Folgen: Eine der wichtigsten Verbindungen zwischen Innenstadt und Ruhrort fällt komplett weg.
Thema im Verkehrsausschuss: Kritik bleibt unbeantwortet
Die Sperrung war bereits Thema im letzten Verkehrsausschuss der Stadt Duisburg. Dort wurde die Maßnahme vorgestellt und die geplante Verkehrsführung erläutert. Aus Sicht des ADFC bleiben jedoch zentrale Fragen offen – insbesondere zur Sicherheit und Qualität der Umleitungsstrecke für den Radverkehr sowie zu Alternativen für den Fußverkehr.
Auch in der kommenden Sitzung des Verkehrsausschusses wird das Thema erneut relevant sein. Die Auswirkungen der Sperrung und die konkrete Ausgestaltung der Umleitungen stehen weiter im Fokus – nicht zuletzt, weil die Maßnahme erhebliche Eingriffe in den Alltagsverkehr bedeutet.
Zehnfache Strecke statt direkter Verbindung
Für den Radverkehr bedeutet die Sperrung einen Umweg, der es in sich hat: Statt der direkten Querung von rund einem Kilometer sollen Radfahrende eine ausgeschilderte Strecke von etwa zehn Kilometern nutzen. Die offizielle Umleitung führt unter anderem über Ruhrdeich, Sympherstraße, Gerrickstraße und den Bereich Am Nordhafen – also durch das Hafengebiet und über Strecken, die schon im Normalzustand kaum attraktiv sind.
Für den Fußverkehr gibt es keine eigene Lösung. Die Stadt verweist hier auf den Ersatzverkehr des ÖPNV.
Umleitung mit erheblichen Sicherheitsmängeln
Wir haben uns die geplante Umleitung angesehen – und sind sie selbst abgefahren. Dabei zeigen sich an vielen Stellen erhebliche Sicherheitsdefizite:
- Auf der Sympherstraße treffen Radfahrende auf starken Lkw-Verkehr, schmale Radwege in der Dooring-Zone und Abschnitte, in denen die Radführung schlicht endet.
- Auch auf der Gerrickstraße brechen Radwege mehrfach abrupt ab, ohne sichere Weiterführung auf die Fahrbahn.
- Im Bereich Am Nordhafen kreuzen zahlreiche Lkw-Ausfahrten die Strecke – ohne ausreichende Sicherungsmaßnahmen.
- Abschnitte am Ruhrdeich und am Nordhafen sind unbefestigt, schlecht beleuchtet und bei Regen kaum passierbar.
- Der Ruhrorter Verteilerkreis ist seit Jahren ein Unfallschwerpunkt – und bleibt auch in der Umleitung ein kritischer Punkt.
Diese Mängel betreffen nicht nur den Komfort, sondern ganz konkret die Sicherheit. Die Strecke ist für eine intensive Nutzung durch den Radverkehr in diesem Zustand nicht geeignet. Viele Gefahrenstellen sind mit überschaubarem Aufwand entschärfbar, etwa durch Markierungen, temporäre Anpassungen oder klare Führungen.
Planbar – aber nicht ausreichend vorbereitet
Die Sperrung kommt nicht überraschend. Der Termin ist seit Langem bekannt. In der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr im Januar wurde versichert, dass bei der Umleitungsplanung “alle Belange berücksichtigt würden” und man sich bemühe, “alle Einschränkungen so gering wie möglich zu halten”. Umso unverständlicher ist es, dass zentrale Gefahrenstellen entlang der Umleitung nicht im Vorfeld entschärft wurden – obwohl dies mit vertretbarem Aufwand möglich gewesen wäre.
Bei der letzten Sperrung der Karl-Lehr-Brücke gab es zudem eine einfache und bewährte Lösung: Fahrräder konnten im Ersatzverkehr mitgenommen werden. Eine solche Möglichkeit ist aktuell nicht angekündigt.
Wichtige Verbindung für Alltag und Tourismus
Die Karl-Lehr-Brücke ist weit mehr als nur eine lokale Verbindung. Sie ist ein zentraler Baustein im Duisburger Alltagsverkehr – auch als Schulweg – und zugleich Teil überregionaler Radrouten wie dem Rheinradweg sowie des Radverkehrsnetzes NRW.
Umso schwerer wiegt es, wenn diese Verbindung für sieben Wochen praktisch ersatzlos entfällt.
Öffentliche Befahrung der Umleitung am 15. April
Um die Situation transparent zu machen, lädt der ADFC Duisburg zu einer öffentlichen Befahrung der Umleitungsstrecke ein:
Mittwoch, 15. April, Abfahrt 16:00 Uhr am Kasslerfelder Kreisel (Ausfahrt Karl-Lehr-Brücke)
Eingeladen sind die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr sowie der Bezirksvertretungen Duisburg-Mitte und Ruhrort/Homberg/Baerl, die Presse sowie alle interessierten Bürgerinnen und Bürger.
Ziel ist es, die konkreten Probleme vor Ort sichtbar zu machen und gemeinsam über Verbesserungen zu sprechen.
Unsere Forderungen
Die Sperrung der Brücke lässt sich nicht vermeiden – ihre Auswirkungen sehr wohl. Wir fordern daher:
- Die Dauer der Sperrung für den Rad- und Fußverkehr muss auf das absolut notwendige zeitliche Maß begrenzt werden.
- Unmittelbar nach dem Verschub der Brücke muss eine provisorische Brückennutzung für Fuß- und Radverkehr ermöglicht werden.
- Die Umleitungsstrecke muss kurzfristig sicherer gestaltet werden – insbesondere an bekannten Gefahrenstellen.
- Eine Mitnahmemöglichkeit für Fahrräder im Ersatzverkehr muss - wie beim letzten Mal - für die Länge der Sperrung geschaffen werden.
Wir bleiben dran
Wir werden die Situation weiter beobachten, die Umleitung erneut prüfen und uns für konkrete Verbesserungen einsetzen. Klar ist: Eine so zentrale Verbindung darf nicht über Wochen hinweg faktisch aus dem Netz verschwinden.