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Gruppenfoto © ADFC Dinslaken-Voerde

Tatort - oder ein Toter am Radweg - 46.KW 2022

Just, als man begann, dem Voerder Marktplatz ein weihnachtliches Flair angedeihen zu lassen, als man begann, neben dem zierlichen Schrottsäulchen eine wuchtige, grüne Tanne zu errichten, ...

rieselte nicht zartflockiger Schnee vom Himmel, sondern Regentropfen nässten die emsigen Baumaufsteller. Sie, die Tropfen, genügten, dem Bewegungsdrang sonst nach Bewegung strebender Radler gleichsam die Haustür zu verriegeln: Sie zogen die kuschelige Wärme dem Abenteuer einer Radrundfahrt vor, obwohl der geplante Ausflug der Wetterlage wegen schon verkürzt war, wie allen mitgeteilt wurde. Kein SchnapsEinkauf, keine Femeiche, nur EDEKA Drevenack, aber ein Fitzelchen „Abenteuer“ – vgl. Duden -  gab es denn doch noch. Davon später.

Immerhin standen drei Herren vor den Pforten des Rathauses in Voerde, die meiner harrten, da ich des Vorfahrers Funktion übernommen hatte. Wir starteten. NN hatte noch auf dem Stadtgebiet zu uns stoßen wollen, kam aber nicht. So radelten wir vier Menschlein von leichtem Regen betröpfelt dahin, als auf meinem kleinen Taschentelefon sich NN1 meldete. „Fahrt Ihr noch?“ erkundigte er sich. Wir befänden uns, ließ ich den Wartenden wissen, am Kanal und seien, wenn nicht mit Sack und Pack, so doch auf Rädern alsbald in Drevenack. Hatte ich bis dahin den Eindruck, wir seien die einzigen wetterharten Nicht-Weicheier, so erwies sich das alsbald als ein Irrtum: Zwei nicht mehr ganz Jugendliche, um nicht zu sagen, ein schon etwas betagtes Ehepaar, fuhren mit Packtaschen beladenen Rädern an uns vorbei. Jedenfalls war NN1 da und wartete auf uns. 

Nachdem NN2  aus besonderem Anlass aus seiner Packtasche eine Flasche Medizin gefischt und uns voll eingeschenkt hatte, konnten wir Vier auf sein Wohl anstoßen, schwangen uns wieder behände und guten Mutes auf die Räder, hatte es doch zu regnen aufgehört, ja, die Sonne schickte sich sogar an, dann und wann durch Wolkenlöcher das feuchte, eher nasse Land wärmend zu bescheinen. 

So zog man sogar in Erwägung, doch noch nach Erle, wie ursprünglich geplant, zu fahren. Nun war jedoch mein Navi-Akku fast leer, eine ErsatzKraftbank („Powerbank“) hatte ich der Streckenkürzung wegen gar nicht mitgenommen, meine Konnektivitätstechnik* war mithin unzureichnd. Zudem lag der Weg nicht so klar vor meinem inneren Auge, um den Vorfahrer zu machen. Was tun? Über Wesel zurück? NN2 schlug vor, nach Schermbeck zu radeln, dort gäbe es eine Kuchenstation, die, wie sich später herausstellte, wir zu des Großen Tourenleiters Zeiten schon mal angesteuert hatten. Also änderten wir, änderte ich die Planung. Die Wege waren ja bekannt, und der Ehefrau zuhause so früh am Tag wieder im Weg zu stehen, Staub zu wischen oder saugen, hatte niemand Lust. Auf nach Schermbeck!

da standen plötzlich die beiden Radler vor uns auf dem Weg, der Bahntrasse nach Schermbeck. „Da liegt ein Toter!“ riefen sie uns zu. „Tatort“, „Mord in Drevenack“ – die Phantasie überschlug sich. Wirklich, zwanzig Meter abseits vom Weg lag eine männliche Person im Wald im Unterholz. Tot? Er rührte sich nicht. Ein Beherzter von uns stapfte durch das den Boden bedeckende Kraut, um der inzwischen benachrichtigten Polizei detaillierte Angaben machen zu können. Er sprach den dort Liegenden an. Keine Reaktion. Also tot? Als er ihn jedoch an die Schulter fasste, bewegte der sich. Also nicht tot, noch lebendig. Inzwischen zeigte sich, dass es nicht ganz einfach war, der Polizei den genauen Standort anzugeben. Auf einmal erhob sich der tot Geglaubte mit Hilfe eines der Unsrigen und schwankte unsicher umher, und an seinem Gürtel baumelte in einer ledernen Messerscheide ein langes Messer, Dolch oder Machete. Ob der schätzungsweise Vierzigjährige einen Mord plante, volltrunken oder bekifft war, ließ sich nicht mit Sicherheit feststellen; vielleicht alles. Seine Angaben über das Woher und Wohin beschränkten sich auf wage Richtungsanzeige mit den Armen. Er zündete sich ein Zigarette an und wankte zur nächsten Bank. In Absprache mit dem Ehepaar, die noch auf die Polizei warten wollten, setzten wir unsere Rundfahrt fort, um schließlich in Schermbeck wie vorgesehen, die Bäckerei aufzusuchen. Als wir dort saßen und uns erquickten, trat NN3 zu uns. Sie hatte unsere Räder gesehen und wollte uns nur begrüßen. Sie führe des Öfteren mit den Hamminkelnern, teilte sie uns mit. Vor der Weiterfahrt ließen wir uns dann noch von einem vorübergehenden Jugendlichen, der selbstverständlich mit einem Handy umzugehen wusste, ein Foto machen.

Dort, wo „wir immer halten“, bei der Pellets-Müllhalde, bei „Anne Lehmuhl“ gab es den letzten Trunk bei dieser Tour. Warum wir hier kurz pausierend auf einmal  über Tot und Sterben sprachen, kann ich nicht mehr sagen. Weil Totensonntag bevorstand? War’s der Tote, der nicht tot war oder dass man kein „Nobody“ ist, der perfekt sein soll, zumal im Alter nicht?

Hernach löste sich die kleine Gruppe allmählich auf, nicht ohne dass ein paar von uns die schikanöse Fahrradsperre über die Autobahn bei „Klein-Moskau“ über- oder durchwinden mussten. 14.45 Uhr bin ich denn allein in der Voerde City angekommen.

_________________

*In der NRZ (19.Nov.22), im Teil „Reise & Mobilität“, verbreitet sich ein Mario Hommen – wer immer das auch sein mag - über ein Fahrrad. Dort gebraucht er das klangvolle und von Kenntnis strotzende Wort „Konnektivitätstechnik“. Ich wollte mich nun auch kenntnisreich zeigen,  übernahm das Wort, ohne jedoch genau zu wissen, was das bedeutet. Aber Google hilft in solchen Fällen oft weiter, wenn‘s interessiert: Bei diesem Begriff handelt es sich um eine Konnektivitätstechnologie, bei der für Anwendungen auf Basis von verschiedenen Datenzugriffstechnologien (. NET oder systemeigenes Win32) dieselben Verbindungsinformationen gemeinsam verwendet werden können. ……  passt das?

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Hünxer Schikane für Radfahrer

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