Vor dem Start in Lohberg

Auf nach Dorsten (43.KW 2021) © Michael Nigbuhr | ADFC Dinslaken-Voerde e.V.

Mit zuen Augen - 43.KW 2021

 

„Wo willst du denn hin? Das sind Radfahrer“, sprach sie, die ältere recht füllige Dame, wiederholt. Recht hatte sie, zweifellos.

 

Da waren zweiundzwanzig gelb- und eine rot-bewestete Radfahrer*innen. Aber ob ihr kleines Köter- chen unbestimmter Rasse, an der lan- gen Leine das verstand, sei dahingestellt. Jedenfalls wandte es sein kleines, wollliges Köpfchen nicht zu der Leinenhalterin und herrschte sie an: „Halt’s Maul, das sehe ich doch!“ Es war eben nur ein kleines sprachloses Hündchen. Aber, wie gesagt, die Dame hatte recht. Die sich vor ihr auf dem Gelände der früheren Schachtanlage Lohberg sammelten, waren die Donnerstagsradler der 43. Woche, von denen sich die meisten zuvor schon um 10 Uhr an der Schrottsäule in Voerde zu der Rundfahrt gesammelt hatten.

Nach Dorsten sollte es gehen, einer Stadt, die am 31. Dezember 2018 76.383 Einwohner gehabt haben soll. Kennst Du sie? Natürlich, liegt sie doch fast vor der Haustür von Voerde oder umgekehrt? (Voerde 36.047 Einwohner)

Wie das nun einmal so ist, wenn man schon hundert Mal oder noch häufiger mit den Donnerstagradlern unterwegs gewesen ist, kennt man nicht nur Dorsten, sondern auch Hüsken Schroer und den Heidhof, wo es für Männlein wie Weiblein eine ordentliche WC-Anlage gibt. Aber sage nun niemand, „da kannze ja donnerstags mit zuen Augen mitfahren“. Das geht natürlich nicht. Du musst daran denken, dass da noch zweiundzwanzig andere mit ihren Simpel- oder Kästchenrädern mitradeln, unter ihnen auch noch drei mit Raum beanspruchenden Drei- rädern. Eine gewisse Aufmerksamkeit ist mithin schon gefordert. Zudem, wer mit „zunen“ Augen mitgefahren wäre, hätte nicht den neuen Stangenwald vom Schmückerhof gesehen, der im Entstehen war. Wir Vorüberfahrenden konnten nur ahnen, welchem Zweck der einmal dienen sollte.

Es gab auch noch mehr zu sehen, ja, geradezu zu entdecken, was ein Radelnder, der sich entschleunigt bewegt, genießen kann: Die Umgebung, herbstlicher Wald, dessen Laub in tausend unterschiedlichen Braun- und Rotfärbungen leuchtet. Dazwischen am Boden Farnkraut, schon winterlich graugrün. Schließlich sind da auch noch Felder, mal mit erntereifen Mais bestanden oder andere, auf denen schon neue Saat sprießt. Da sind Weiden, auf denen Rinder ihren Mageninhalt wiederkäuen, Schafe, die der Wölfin Gloria und „Konsorten“ das Maul wässerig machen, wenn sich bei ihnen ob der weidenden Köstlichkeiten der Pawlow-Effekt einstellt würde.

Natürlich führte der Weg auch durch urbanes Gebiet, bis der Vorfahrer uns an der Agatha-Kirche in Dorsten halten ließ. Dies war nun nach 32 km der Wendepunkt unserer Rundfahrt. Die Agatha-Kirche aus dem 13. Jahrhundert, in deren Nähe wir nun eine Stunde lang pausierten, war 1945 zerstört und dann neu errichtet worden. Der Agatha von Catania ist sie geweiht, einer Märtyrerin aus dem 3. Jahrhundert. Unweit von dem Sakralbau befindet sich der Markt, auf dem, als wir pausierten, „buntes Treiben“ herrschte, wie man sagen könnte. Noch jetzt, um 13 Uhr konnte man Obst und Gemüse kaufen, aber auch Zeug, dessen Verwendungszweck nicht eindeutig feststellbar war, und von dem das eine oder andere mit Sicherheit sehr bald in den Restmüll wandern wird. Besonders verlockend war das Angebot eines Käsehändlers. Daneben hatte ein Fischhändler aus den Niederlanden in seinem Angebot Kibbeling, was viele Kunden anlockte. Alles war umwabert mit einem eigenartigen Geruchsmix.

Gemeinsame „Einkehr“ in einem Lokal war nicht vorgesehen, denn dazu hätte man ja den Seuchenpass vorweisen müssen. Sollte der Vorfahrer oder die Vorfahrerin in Zukunft zum Tourenbeginn ausdrücklich darauf hinweisen, das Frau wie Mann außer der gelben Weste auch noch einen Seuchenpass dabei und bei Stopps an des Wegesrand zu parken haben? Sie oder er sollte! Bis auf die Weste hatten einige alles andere vergessen, wie sich alsbald zeigen sollte.

Nachdem nämlich die Pause beendet war, alle vorschriftsmäßig ihr Fahrzeug schiebend die Fußgängerzone durchquert und an einer Straßenkreuzung als Radlerhaufen ein kleines Chaos verursacht hatten, fuhren wir auf den Lippedeich. Ein dort daher radelnder „Zivilist“ geriet in unsere Gruppe. Als nun der Vorfahrer zu einem kurzen Boxenstopp anhielt, blieben die meisten einfach stehen, rückten nicht an die Seite, sondern versperrten dahindösend oder schwatzend ganz einfach den Weg. Da bezeichnete uns der „Zivilist“, als er endlich aus dem Räderwirrwarr heraus war, laut als „Pappnasen“. Diese Unmutsäußerung war in dem Moment nicht ganz unberechtigt: „Pappnase“ gehört zu dem Wortfeld „Dämlack“, „Armleuchter“, „Halbdackel“ usw.

Einige nutzten die Pause, ein Pfützchen zu machen andere zum Fotografieren, die Dritten zum Schwatzen. Dann ging es weiter, an Buschwerk vorbei, dessen buntes, herbstliches Laubwerk von der Sonne am wolkenlosen Himmel einem großartigem Feuerwerk an Farbe glich. Auf der anderen Seite des Weges befand sich der Kanal, auf dem mit murmelnden Motor ein Schiff gemächlich daher kam.

Da rollte uns ein Elektrodreirad entgegen. „NN, NN!“ rief NN1. Andere stimmten in den Ruf ein; „Bauer NN“! Bauer NN!“ Um das Geschrei zu verstehen, muss man wissen, dass Bauer NN vor Jahren donnerstags mitgefahren war und sich wegen Krankheit zurückziehen musste. Also hielt man an, abermals pappnasig über den Weg verteilt. Einige hielten mit NN ein Schwätzchen, bis der Vorfahrer das Zeichen zur Weiterfahrt gab. Bauer NN entschwand nach Dorsten, woher wir gekommen waren.

An Gahlen vorbei, vorbei an Anne Lehmkuhl strebten wir dorthin, „wo wir immer Pause machen“, an der Mülldeponie. Von da an bröselte der Haufen auseinander, die einen wandten sich Dinslaken zu, andere bogen nach Hünxe ab. Aber das muss jedoch erwähnt werden: Wir hatten keinen Verlust, auch nicht bei der Querung der zu dem Zeitpunkt sehr stark befahrenen B8. Da- her vermute ich, dass alle wohlbehalten ihr Zuhause erreichten, ich nach 60,83 km um 16 Uhr vor der Haustür stand.

 

 

Lernstoff für die Mitradler*innen MANTRA

Wenn du mal wieder mit uns fährst so dein Dabeisein uns sehr ehrt wisse, das seit langer Zeit Regeln haben Gültigkeit

Der Vorfahrer fährt vorne stets auch wenn es dir zu langsam geht, willst rasen du jedoch geschwind gibt's Gruppen, die da schneller sind.

Im Wald, weißt du, da wachsen Bäume, dazwischen gibt es Zwischenräume. Autos fahren da sehr oft stehst du dann quer, so gibt es Zoff also wollest du dran denken, zum Halten Rad an Seite lenken.

Manche radeln ziemlich dösig fast Augen zu und quatschen schläfrig. tust du ein H indernis entdecken,
magst mit Geschrei sie kurz mal wecken, Wecke sie mit lautem Ruf "Poller vorne, pass mal uff!

 

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Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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    Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit bundesweit mehr als 190.000 Mitgliedern, die größte Interessenvertretung der Radfahrerinnen und Radfahrer in Deutschland und weltweit. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad: Recht, Technik, Tourismus.

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  • Was bringt mir eine ADFC-Mitgliedschaft?

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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  • Worauf sollte ich als Radfahrer achten?

    Menschen, die Rad fahren oder zu Fuß gehen, gehören zu den ungeschützten Verkehrsteilnehmern. Sie haben keine Knautschzone – deshalb ist es umso wichtiger, sich umsichtig im Straßenverkehr zu verhalten. Dazu gehört es, selbstbewusst als Radfahrender im Straßenverkehr aufzutreten, aber gleichzeitig defensiv zu agieren, stets vorausschauend zu fahren und mit Fehlern von anderen Verkehrsteilnehmern zu rechnen.Passen Sie Ihre Fahrweise der entsprechenden Situation an und verhalten Sie sich vorhersehbar, in dem Sie beispielsweise Ihr Abbiegen durch Handzeichen ankündigen. Halten Sie Abstand von Lkw, Lieferwagen und Kommunalfahrzeugen. Aus bestimmten Winkeln können Fahrer nicht erkennen, ob sich seitlich neben dem Lkw Radfahrende befinden. Das kann bei Abbiegemanövern zu schrecklichen Unfällen führen. Beachten Sie immer die für alle Verkehrsteilnehmer gültigen Regeln – und seien Sie nicht als Geisterfahrer auf Straßen und Radwegen unterwegs.

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