Kleine Pause

Kleine Pause (47.KW 2021) © ADFC Dinslaken-Voerde e.V.

Von Geldverteilung und milden Gaben – 47.KW 2021

 

Treffen sich vier oder fünf Radfahrer am Donnerstag der 47. Kalenderwoche vor dem Rathaus in Voerde. „Cannabis freigegeben, jetzt können sich alle vollkiffen … und das Geld wird umverteilt von unten nach oben.“

 

Der Koalitionsvertrag ist Thema, nicht das Wetter! Es hört sich so an, als sei beides richtig unerfreulich. Letzteres ist wirklich nicht dolle. Nachdem sich noch weitere Radler eingefunden haben, wird das Wetter doch endlich Thema. Kalt sei es, stellt man fest. Aber was ist „kalt“? Minus 300 C1) oder 60 C plus? Egal, wir fahren, zumal mit Schnee und Glatteis noch nicht zu rechnen ist.

In Dinslaken gesellen sich noch weitere dazu. NN1 „wirft wieder eine Runde“ Mon Cheri, wodurch bei mir der Schrecken über die Umverteilung des Geldes erheblich gemildert wird. Als Vorfahrer darf ich ja nicht ins Grübeln verfallen, über Cannabis und Knete nachdenken, gar mitdiskutieren, denn dann landen wir mit Sicherheit, wo wir gar nicht hinwollen. Mein Navi weiß und sagt mir, wo es lang geht und was Sache ist: Das ist der Weg nach Moers.

Aufregendes hat der Weg nicht zu bieten, von einer Baustelle an der B8 einmal abgesehen, wo der Radfahrer auf einem dreißig Zentimeter breitem Streifen zwischen Straßenbahnschiene und Baugrube fahrend weder zu weit nach rechts, noch nach links schlingern darf. Die Straßenbahn war zum Glück gerade vorbeigefahren. Dann ein Trampelpfad als „benutzungspflichtiger Radweg“ ausgewiesen, dazwischen eine Ampel, die auf Rot schaltet …

Den Schwelgernpark beschreiben, wo einst ein Schwimmbad war, sich sommers Menschen vergnügen? Jetzt, bei dem Wetter, ziehen kackbereite Hunde ihre Besitzer hinter sich her.

Am Alsumer Berg ist Pause, windig, gefühlt eisig, Sicht diesig. Den Berg zu besteigen lohnt nicht. Nach sieben Minuten geht es weiter am Rande der A42 über den Rhein, usw. Alles bekannte Wege, auch schon hundert mal gefahren, nach etwa 25 Kilometern ist der Weihnachtsmarkt von Moers erreicht, ein Weihnachtsmarkt wie alle in Nah und Fern, selbstverständlich „schööön“.

Zwölf Radelnde sind wir inzwischen, N2 ist unterwegs noch zu uns gestoßen, und wir schlendern zwischen den Buden umher. Der Seuchepass wird kontrolliert, N3 spendiert den in seiner Nähe Weilenden, freundlicherweise auch mir, Fritten. Die werden vor den Augen der Käufer aus einzelnen Kartoffeln hergestellt. Man könnte sagen: Man gibt eine milde Gabe in Höhe von drei Euro und erhält dafür als kleines Dankeschön eine zerschnittene Kartoffel. An anderer Stelle gibt’s ein Näpfchen Kaffee.

Als wir uns anschicken den Ort zu verlassen, beginnt es zu regnen. „10 Minuten dauert das nur,“ ruft uns ein Bediensteter der Stadt zu, der in unserer Nähe mit einer Saugmaschine Laub vom Boden verschwinden lässt, als wir Regenzeug überziehen. Seine Wetterapp zeige das an, begründet er seine Behauptung. „Und die stimmt“, ergänzt er. Es dauert jedoch länger. Außentür-Regenschutz ist jedenfalls angesagt.

Nun führt mich mein vom Regenumhang verdecktes Navi mit blecherner Stimme. So geleitet finde ich den Weg. An einem Cafe vorbei radelnd höre ich die mir Folgenden murmeln „dawammaschon mit dem Großen Tourenleiter, haben da und da Eis gegessen.“ Jetzt ist alles dicht – und kalt außerdem. Wir verlassen die Stadt. Bald sind wir wieder am Ufer des Rheines, kommen an dem Platz vorbei, an dem im Sommer ein Eiswagen zu stehen pflegt. Es regnet nicht mehr, aber Nebel senkt sich herab. Da scheint der Strom in der Ferne mit dem Himmel zu verschmelzen. Ein tief liegender Kahn schiebt sich langsam stromaufwärts. Das andere Ufer ein dunkler Streifen, schemenhaft nur der Kühlturm von Walsum. Frei nach Hermann Hesse:

Seltsam, im Nebel zu radeln! / Einsam ist jeder Busch und Stein, /Kein Baum sieht den andern, / Jeder ist allein.

Was gibt es noch zu erzählen? Rheinüberquerung, ebenfalls die hundertste? – Beendigung der Fahrt nach Moers in Eppinghoven nach 53 km, 15.30 Uhr

Anmerken will ich noch, dass ich wegen der „Umverteilung des Geldes von unten nach oben“, abends mit meiner Regierung flugs noch auswärts fulminant gespiesen habe, damit bei mir, der ich „unten“ bin, weniger nach oben zu verteilen ist.

1) 26.11.21: Nikkaluokta, Schweden: Minus 30-Grad-Marke geknackt

 

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https://dinslaken-voerde.adfc.de/artikel/tb2147kw-von-geldverteilung-und-milden-gaben

Häufige Fragen von Alltagsfahrer*innen

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  • Was muss ich beachten, um mein Fahrrad verkehrssicher zu machen?

    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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