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Zeit schinden - 21.KW 2022

 

Bis zum Kuchenbuffet sollten es 33,85 km sein. Als Schleichrad-Fahrer braucht man dafür erfahrungsgemäß mit Pausen maximal drei Stunden.

 

Bis zum Kuchenbuffet sollten es 33,85 km sein. Als Schleichrad-Fahrer braucht man dafür erfahrungsgemäß mit Pausen maximal drei Stunden. Fährt man also um 10 Uhr los, ist man – π mal Daumen – um 13:10 Uhr da. Das Buffet ist jedoch erst am 14:30 Uhr zugänglich. Was tun, sprach nicht nur Zeus*, sondern auch ich in meiner Funktion als Vorfahrer, wobei mein Problem ungleich einfacher zu lösen war als das des Zeus’, dessen Götter sich der Rede nach völlig daneben benommen haben: Besoffen waren sie. Meine Problemlösung hieß ganz einfach: „Zeit schinden“.

Und das sah bei der Rundfahrt am Vattertach in der 21. Kalenderwoche so aus: Richtig genüsslich daherradeln und damit wirklich den Weg zum Ziel werden lassen. Da gleiten die Landschaft, Bäume, Buschwerk, Wiesen und Seen - hier der Auesee - gemächlich vorüber, der Wind rauscht in den Ohren, dann und wann lässt sich ein Vöglein zwitschernd aus dem Blattwerk vernehmen. Allein – die Nachtigall beließ es bei kurzen, kaum hörbaren Liedfetzen aus ihrem großen Repertoire. Solches wahrzunehmen ist mir bei 80 km/h Reisegeschwindigkeit nicht vergönnt, auch denen, die mit einem blärrendem Radio am Lenker daher pedalieren, entgeht einiges. "Lerne zu reisen, ohne zu rasen" lautet ein Buchtitel von Otto Julius Bierbaum, aus dem vor kurzem in NDR-Kultur vorgelesen wurde. Er fuhr allerdings nicht mit dem Fahrrad, sondern mit einem 8-PS starkem Automobil 1903 durch die Lande.

Wir umrundeten also den Auesee und bei der ersten Pause stellten lobenswerter-weise alle ihre Fietzen am Rand des Weges ab. Nun war Gelegenheit gegeben, mit einander zu kommunizieren und im nahen, dichten Buschwerk bei Blasen-druck zu „telefonieren“.

Die Angaben des Navis ließ ich jetzt unbeachtet, änderte den Weg nach Gutdün-ken zum „Zeitschinden“ ab. So querten wir Flüren und radelten auf bekannten Wegen nach NO, unweit vom Schwarzen Wasser weiter. Auf etwas „strubbeliger“ Fahrbahn durch Feld und Wald war der Bruchweg erreicht. Fortan ging es auf glatter Straße, über die Issel in Richtung Kuchenbuffet. Und immer schob uns eine leichte Brise an, was man als Schleichrad-Benutzer besonders zu schätzen weiß. Doch jetzt hatten wir Zeit genug anzuhalten, anzuhalten an einer Stelle, auf die wir sonst allenfalls, vorüber radelnd nur einen Blick zu werfen pflegten: Eine von Blümchen umgebene und nett hergerichtete Bank unter Bäumen, an der Rastende außerdem eingeladen werden, sich in ein Gästebuch einzutragen.

Es lagen von hier aus nur noch 7 km vor uns, und trotz aller radlerischen Beschaulichkeit standen wir zehn Minuten vor Öffnung der Lokalität vor der Tür von Cafe Selders.

Als wir Platz genommen hatten, las uns das für die Bedienung zuständige Mägde-lein vor, was das Haus an selbst gebackenen, gar unterschiedlichen Torten bereit hielt. Ich kann mit vorstellen, dass sie das Sortiment am Abend einem Mantra gleich vorzutragen im Stande war. Dafür, das zu überprüfen, fehlte uns natürlich die Zeit, man hätte uns bis dahin sowieso der nachdrängenden Kundschaft wegen rausgeworfen. Darüber hinaus gab dazu aber überhaupt keinen Grund. Alle benahmen sich im Gegensatz zu den oben erwähnten Göttern tadellos, schmatzten nicht ,machten nicht einmal Bäuerchen.

Jetzt war Ende mit „Zeitschinden“, eine Stunde für Kuchenschmaus musste genügen. Wie es der Plan vorsah, der allen per E-Mal ja zugegangen war, wandten wir uns Schermbeck zu. Immer noch schob uns ein lindes Wehen aus westlicher Richtung an. Da es auf der Bahntrasse bis Schermbeck fast nur geradeaus ging, lediglich hin und wieder andere Radler oder Hunde mit Mensch an der Leine uns begegneten, ließ sich entspannt, von Waldesluft umweht über Gott und die Welt palavernd dahinfahren, bis wir an das Transformatorenhäus-chen kamen, an dem E-Bikern die Möglichkeit geboten wird, ihr Rädchen auf-zuladen. Heute luden dort Bänke und Tische zum Verweilen ein, an denen schon einige Radler und andere Platz genommen hatten. In dem unteren Raum des Baues, konnten Interessierte eine kleine Fotoausstellung sehen und sogar mit dem Fotografen persönlich sprechen.

Allein, „Zeitschinden“ war nicht mehr. Nach kurzem Halt querten wir Lippe und Kanal, radelten nunmehr bei Gegenwind gen Westen zum Wasserschloss Gartrop, in dessen Nähe ein artesischer Brunnen plätschernd zum Wasserfassen einlud.

Ab Hünxe schrumpfte Ab Hünxe schrumpfte die Gruppe. Die einenbogen nach Dinslaken ab, später die anderen nach Friedrichsfeld, und als wir die City von Voerde nach 68,75 km erreichten, waren wir nur noch zwei Personen.

*Was tun, sprach Zeus....

Wenn man jemanden mitteilen will, dass man völlig ratlos ist (sprich: ich habe, nicht den Schimmer einer blassen Ahnung). Die Redewendung geht dann noch weiter: Was tun sprach Zeus, die Götter sind besoffen und der Olymp ist vollgekotzt. (Wikipedia)

 

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    Wie ein Fahrrad verkehrstauglich auszustatten ist, legt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) fest. Vorgesehen sind darin zwei voneinander unabhängige Bremsen, die einen sicheren Halt ermöglichen. Für Aufmerksamkeit sorgen Radler*innen mit einer helltönenden Klingel, während zwei rutschfeste und festverschraubte Pedale nicht nur für den richtigen Antrieb sorgen. Je zwei nach vorn und hinten wirkende, gelbe Rückstrahler an den Pedalen stellen nämlich darüber hinaus sicher, dass Sie auch bei eintretender Dämmerung gut gesehen werden können. Ein rotes Rücklicht erhöht zusätzlich die Sichtbarkeit nach hinten und ein weißer Frontscheinwerfer trägt dazu bei, dass Radfahrende die vor sich liegende Strecke gut erkennen. Reflektoren oder wahlweise Reflektorstreifen an den Speichen sind ebenfalls vorgeschrieben. Hinzu kommen ein weißer Reflektor vorne und ein roter Großrückstrahler hinten, die laut StVZO zwingend vorgeschrieben sind.

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